Ein nachhaltiger Start in die Zukunft der Finanzberatung

Beitragsbild Interview Elena Ball und Helene Bosmann

Ein nachhaltiger Start in die Zukunft der Finanzberatung

Ein Interview mit den ökofinanz-21 Stipendiatinnen Elena Ball und Helene Bosmann

Nach den ersten Wochen im Stipendium und dem Start der Ausbildung zur ECOanlageberaterin ziehen unsere beiden Stipendiatinnen eine erste Zwischenbilanz. Wir haben mit ihnen über ihre Eindrücke, Erfahrungen und Erwartungen gesprochen.

 

Der Start ins Stipendium: Wie waren für euch der Einstieg und die ersten Wochen des ökofinanz-21 Stipendium?

Helene: Ich habe einen Anruf bekommen mit der freudigen Botschaft, dass ich eines der heiß begehrten ökofinanz 21 Stipendien ergattern konnte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Und dann ging es direkt los mit der Weiterbildung zur ECOAnlageberater:in, das war ja direkt im Anschluss. Da kamen dann gleich die Unterlagen und die Termine und die Infos, die noch gebraucht wurden zur Anmeldung.

Elena: Bei mir war es ähnlich. Aber der Anruf kam nicht durch. Stattdessen habe ich eine sehr nette und herzliche E-Mail bekommen, in der stand, dass ich diese Nachricht hoffentlich am Strand liegend bekomme – es war schließlich Ende August. Ich war zwar nicht am Strand, habe mich aber trotzdem sehr darüber gefreut und hatte bereits den Eindruck, dass alles gut organisiert ist. Dann ging es direkt mit der Weiterbildung zur EcoAnlageberaterin los. Mein erster Eindruck hat sich bestätigt: Es war alles sehr gut strukturiert und organisiert und ich wusste immer, was mich erwartet, so dass ich mich gut darauf einstellen konnte in meinem vollen Arbeitsalltag.

 

 

Ausbildung zur ECOanlageberaterin: Ihr habt inzwischen mit der Weiterbildung zur ECOanlageberaterin begonnen. Wie erlebt ihr den Kurs bisher fachlich und inhaltlich. Hilft es euch jetzt schon in eurem Arbeitsalltag weiter?

Helene: Das Unternehmen, für das ich arbeite, ist schon sehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Mir fehlte aber für meine Arbeit immer noch der passende Abschluss. Das war auch einer der Gründe sich für das Stipendium zu bewerben. Meine Kollegen haben alle den ESG Berater von Greensurance gemacht. Der wird aber mittlerweile nur noch für gesamte Unternehmen angeboten, nicht mehr für einzelne Personen.
In Deutschland gibt es meist nur Weiterbildungen, die sich eher auf das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen und nicht auf Beratung von Finanzdienstleistungen beziehen. Von daher ist es quasi genau das, was ich gesucht habe und ich muss sagen, dass die Inhalte, die ich jetzt vermittelt bekomme schon in meinem täglichen Doing vorkommen, aber trotzdem waren es noch mal ganz viele spannende Inhalte, die viel mehr in die Tiefe gehen, als man das in der klassischen Beratung mit dem Kunden macht. Was ich schön fand, ist, dass wirklich einzelne Unternehmen und einzelne Fonds betrachtet wurden. Also noch mal zu sagen, warum ist Unternehmen X wirklich ein nachhaltiges Unternehmen und ein anderes nicht? Wie hat sich das über die Zeit verändert? Also sehr viele Analysen von einzelnen Unternehmen. Dann fand ich noch spannend, dass sich die Inhalte ja auch auf das, was im Eco Reporter veröffentlicht wird, beziehen. Da ging es einfach noch mal tiefer in einzelne Produkte rein.

Elena Ball: Im Gegensatz zu Helene, habe ich in diesem Kontext weder Beratungserfahrung noch komme ich aus der Branche. Ich habe bisher eine Weiterbildung zum Thema Nachhaltigkeitsmanagement gemacht und habe dann durch ein Praktikum bei der GLS Bank einen Eindruck von nachhaltiger Finanzberatung gewonnen. So habe ich auch von dem Stipendium und von der Weiterbildung erfahren.
Aus meiner Perspektive ist die Weiterbildung sehr gut gelungen, da einerseits eine große Bandbreite abgedeckt wird, auch bei den Selbstlernmodulen. Andererseits waren die Module stellenweise auch vertiefend gestaltet.
Ich habe auch den Eindruck gewonnen, das Ökosystem ein wenig besser kennengelernt zu haben. Ich habe zum Beispiel erfahren, was das Forum Nachhaltige Geldanlagen macht, wer der Eco-Reporter ist und welche Akteure es gibt. Was mir wiederum gefehlt hat,  war noch mehr Zeit für einen Austausch unter uns Teilnehmenden mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.  Helene und ich haben uns ausgetauscht, weil wir beide das Stipendium bekommen haben. Mit den anderen Teilnehmenden gab es leider keine Zeit, aber ich glaube, das wäre ein wertvolles Netzwerken gewesen.

 

 

Die Herbsttagung: Auf der Herbsttagung konntet ihr einen ersten Eindruck von unserem Netzwerk bekommen und auch viele Mitglieder kennenlernen. Wie habt ihr ökofinanz-21 wahrgenommen und gibt es etwas, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Helene: Ich war total positiv überrascht. Als Frau auf fachlichen Tagungen einfach nicht ernst genommen zu werden, ist bisher meine Erfahrung gewesen und das war es bei ökofinanz-21 gar nicht. Ich fand das Netzwerk super. Es sind viele spannende Menschen und immer eine super herzliche und familiäre Stimmung. Man merkt, viele kennen sich schon lange und selbst wenn nicht, man ist einfach ganz schnell dabei und fühlt sich aufgenommen. Und dann stellt man ganz schnell Gemeinsamkeiten fest und einfach die gemeinsamen Werte, die einen verbinden.

Elena: Ja, dem kann ich mich in großen Teilen anschließen. Die Versicherungs- und Finanzbranche, so wie ich sie bisher wahrgenommen habe, entspricht tendenziell eher deiner Beschreibung, Helene. Wenn allerdings das Thema Nachhaltigkeit dazukommt, habe ich den Eindruck, dass sich auch die Menschen verändern. Bei der Tagung war ich sehr positiv überrascht, wie offen und herzlich die Atmosphäre war.

 

Und nun zum Fachlichen:

Helene: Ich fand den Keyspeaker, Wolfgang Palaver, sehr gut und fand auch den praktischen Teil sehr hilfreich, zum Beispiel den Vortrag über Generative Engine Optimization. Da habe ich sehr viel für mein Unternehmen mitnehmen können. Ich glaube, die Schwierigkeit bei der Tagung war, dass die Teilnehmenden beim Thema KI auf völlig unterschiedlichen Ständen waren. Außerdem fand ich es gut, dass es so viel Zeit zum Netzwerken gibt. Aber ansonsten fand ich die Themenauswahl toll. Ja, also es war auf jeden Fall der Versuch, alle mitzunehmen, die sich schon mehr damit beschäftigt haben und für die, die noch ganz am Anfang stehen, allen die Angst zu nehmen.

Elena: Ja, ich finde die Mischung aus Wissenschaft und Praxis immer sehr wertvoll. Für mich persönlich hatte gerade der Vortrag von Wolfgang Palaver einen Mehrwert, da er ethische Reflexionen beinhaltete. Gleichzeitig weiß ich, dass ein solcher theoretischer Zugang nicht für alle Menschen geeignet ist. Deshalb fand ich es gut, dass es auch stärker praxisorientierte Beiträge gab.
Ich hätte mir mehr Diversität bei den Vortragenden gewünscht. Das habe ich auch schon zurückgemeldet. Das ist mir schon sehr aufgefallen und ich finde es wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Außerdem hätte ich mir neben dem klassischen Konferenzformat mehr Mut zu methodischer Diversität gewünscht. Die langen Pausen zum Netzwerken fand ich, wie Helene, ebenfalls sehr wertvoll.

 

 

Ausblick: Was wünscht oder erhofft ihr euch für die kommenden Monate im Stipendium?

Helene: Ich freue mich auf die nächste Tagung, die ganz im Zeichen von Diversität in der Beratung stehen soll. Und ich freue mich, was das Mentoring noch mit sich bringt. Die Schulung endet im Dezember. So starte ich dann quasi mit dem neuen Wissen ins neue Jahr und kann mit dem Mentor noch mal schauen, wo  noch Unterstützungsbedarf oder Challengebedarf ist.

Elena: Ich freue mich darauf, dass es noch eine zweite Tagung geben wird, bei der unsere Teilnahme vorgesehen ist. Gerne möchte ich mich im Rahmen meiner zeitlichen Kapazitäten in die Vorbereitung einbringen. Ich bin auch gespannt auf das Mentoring, weil ich mich mit meinem Mentor im Januar das erste Mal treffen werden. Ich hätte gerne im Rahmen der Weiterbildungstage auch noch die Gelegenheit gehabt, die anderen Teilnehmenden über die kurze Vorstellungsrunde hinaus kennenzulernen. Da kam der Vernetzungsaspekt etwas zu kurz. Über das Stipendium habe ich mich allerdings bereits mit Helene ausgetauscht und habe Lust, die Themen Feminismus und Nachhaltigkeit sowie nachhaltiges Investieren generell und besonders im Rahmen der Frühjahrstagung weiterzuverfolgen.

 

 

Vielen Dank euch für das Interview und eure spannenden Einblicke!

 

Wer mehr über das Stipendium erfahren will, ist hier richtig: https://oekofinanz-21.de/stipendium/

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