Tagungsrückblick: Dimensionen der KI – nachhaltig und intelligent?
von Marcus Brenken
Zuerst eine Frage …: Ist dieser Text wohl mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben worden?
Es gibt Leute, die behaupten, das erkennen zu können. Das mag sein – aber wie lange wird das noch zu erkennen sein? Die Antwort zu diesem Text folgt am Ende.
Die Entwicklung und der Einsatz von KI entwickeln sich jedenfalls rasant. Ist das gut, weil effizient oder bedenklich oder sogar gefährlich? Und muss man nach Einsatzbereichen unterscheiden, wo KI sinnvoll oder zerstörerisch wirken kann?
Die Entwicklung von KI nimmt nicht zuletzt großen Einfluss in der Finanzindustrie. Natürlich werden Tech-Firmen als zukunfts- und renditeversprechendes Investitionsobjekt gesehen, aber KI wird auch vermehrt in den Investitionsprozess eingebunden: als Datenauswertungs-, Trenderkennungs- und Entscheidungsmaschine. KI-Agenten können damit zunehmend entlasten und ein effizienteres Arbeiten ermöglichen.
Somit ist KI natürlich auch für ökofinanz-21 von Relevanz, weshalb wir uns im Rahmen unserer Tagung folgende Fragen stellten: Wie beeinflusst der Einsatz unseren Arbeitsalltag, kann KI das Nachhaltigkeitsresearch verbessern, wie ist der ökologische Fußabdruck von KI-Anwendungen, welche gesellschaftlichen Auswirkungen sind zu beobachten?
Die Ausleuchtung eines Themas von möglichst vielen Seiten ist ein Merkmal unserer Herangehensweise. Allerdings muss man konstatieren, dass der Einsatz der sogenannten künstlichen Intelligenz so weitreichend ist und alle gesellschaftlichen Bereiche dermaßen durchdringt, dass wir uns auf die augenscheinlich wichtigsten Aspekte konzentrieren müssen.
Bei unseren Mitgliedern und Fördermitgliedern wird KI bisher sehr unterschiedlich eingesetzt, das reicht von einfachen Anwendungen wie Textoptimierung, über Datenabgleich bis zu der Portfoliosteuerung. Dazu gab es spannende Einsichten.
Einige wichtige Erkenntnisse unserer Tagung
Der Begriff Künstliche Intelligenz passt nicht wirklich: KI denkt nicht und kann nicht verstehen. Es handelt sich um datenbasierte Systeme. KI ist eine „Nächstes-Wort-Maschine“, sie funktioniert mit statistischer Mustererkennung und berechnet Wahrscheinlichkeiten. Die Folge: Antworten wirken stimmig, sind aber nicht automatisch korrekt. Das Phänomen des sogenannten Halluzinierens ist bekannt.
Funktional betrachtet ist KI „Technosteuerung“ – ein Werkzeug. Routinearbeiten lassen sich mit KI effizienter lösen. Damit ist die KI erstmal kein Ersatz für menschliche Tätigkeit, sondern eben ein Werkzeug, das man nutzen kann. Idealerweise gibt der Mensch das Ziel vor und trifft die Entscheidungen zum Einsatz.
Aber: Allein das bloße Vorhandensein eines Werkzeuges ist nie neutral. Jedes Werkzeug erweitert die Möglichkeiten, es verändert „den Raum“, in dem es sich befindet. Nehmen wir als Beispiele die Entdeckung des Feuers oder die Erfindung des Rades als ein Werkzeug. Die dadurch ausgelösten zivilisatorischen Entwicklungen waren enorm und gesellschaftsverändernd.
Die KI verändert ihre „Umwelt“, indem sie mehr oder weniger autonom Ziele implementiert und/oder optimiert, die ihr von Menschen vorgegeben sind. Das hat Auswirkungen auf menschliches Verhalten, das Verhalten von Organisationen, auf die natürliche oder nicht-natürliche Umwelt.
Und natürlich wie alle technischen Anwendungen hat die KI einen Umweltfußabdruck. Hierbei sind sowohl Hardware als auch Software in den Blick zu nehmen. Der KI-Energieverbrauch durch Rechenzentren, CO²Ausstoß und Ressourcennutzung wird riesig. Die bislang nur zu schätzenden Zahlen: Der CO2-Ausstoss infolge des KI-Einsatzes kann bis 2030 auf 166 Mio. to. steigen (jetziger Stand 49 Mio. to). Der Anteil am Wasserverbrauch durch KI kann 2030 schon 30% betragen. Neben den Umweltfolgen gibt es die gesellschaftlichen: Der Ressourcenverbrauch geht in Konkurrenz mit menschlichen Bedarfen und erhöht bei knappen Ressourcen die Preise. Was macht das mit dem sozialen Gefüge?
Wenn KI immer mehr Entscheidungen übernimmt, besteht dann die Gefahr, dass wichtige Fähigkeiten wie kritisches Denken und Kreativität zu verloren gehen? Wer haftet, wenn KI-Systeme Fehler machen oder Schaden anrichten? Wer kontrolliert und wer schützt die persönlichen Daten, die Grundlage für viele KI-Anwendungen sind? Können KI-gestützte Algorithmen bei entsprechender (menschengemachter …) Absicht Meinungen, Wahlentscheidungen oder Konsumverhalten gezielt beeinflussen? Verschwimmen die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion?
Am Ende wurde deutlich, dass sich alle Tagungsgäste intensiv und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben. Die Vorträge und Diskussionen am ersten Tag zeigten, wie vielschichtig das Thema ist und wie notwendig ein wacher, kritischer und zugleich neugieriger Blick bleibt. Viele Teilnehmende nahmen neue Einsichten, überraschende Denkanstöße und veränderte Sichtweisen mit. Impulse, die sie künftig begleiten werden, wenn sie der KI im beruflichen wie im privaten Alltag begegnen.
Zu sinnvollen Anwendungen – unser Workshop: KI im Berateralltag
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Praxis. Im Rahmen unseres Workshops zum Thema „Künstliche Intelligenz im Berateralltag“ haben wir uns intensiv mit den Chancen und Herausforderungen auseinandergesetzt, die der Einsatz von KI für unsere tägliche Arbeit mit sich bringt. Dabei haben wir folgende zentrale Ziele und Wünsche identifiziert:
Ziele und Wünsche
Unser gemeinsames Bestreben ist es, durch den Einsatz von KI vor allem Zeit zu sparen und so effizienter zu arbeiten. Gleichzeitig möchten wir Kosten reduzieren und unsere Ressourcen optimal nutzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Minimierung von Haftungsrisiken, um rechtliche Unsicherheiten zu vermeiden. Eng damit verbunden ist das Ziel, das Key-Person-Risk zu verringern – also die Abhängigkeit von einzelnen Personen zu reduzieren und Wissen breiter im Team zu verankern. Zudem streben wir eine größere IT- und Datenautonomie an, um unabhängig von externen Anbietern agieren zu können. Ein besonderer Fokus liegt darauf, durch eine positive User Experience nicht nur die Beratungsqualität zu steigern, sondern auch mehr Zeit für die individuellen Bedürfnisse unserer Kund*innen zu gewinnen. Letztlich soll der Einsatz von KI auch Glücksgefühle auslösen – etwa durch das Gefühl, modern und innovativ zu arbeiten.
Bedenken und Herausforderungen
Natürlich gibt es auch Bedenken, die wir im Blick behalten müssen. So stellt sich die Frage, wo Datenschutz beginnt und endet – insbesondere, wenn es um den Umgang mit sensiblen Kundendaten geht. Zudem gilt es, technische Hürden zu überwinden, etwa bei der Integration neuer Tools in bestehende Systeme. Wir müssen die Grenzen der User Experience erkennen und sicherstellen, dass der Einsatz von KI für alle Beteiligten intuitiv und gewinnbringend ist. Ein weiteres Anliegen ist es, nicht in neue Abhängigkeiten zu geraten, etwa von bestimmten KI-Anbietern oder Technologien. Gleichzeitig wollen wir ausufernde Kosten vermeiden und den Einsatz von KI wirtschaftlich sinnvoll gestalten. Nicht zuletzt ist ein durchdachtes Zeitmanagement entscheidend, um den Einführungsprozess effizient zu gestalten und Überlastung zu vermeiden.
Wie wir uns gegenseitig unterstützen wollen
Um diese Ziele zu erreichen und die Herausforderungen zu meistern, haben wir konkrete Maßnahmen vereinbart: Wir werden eine Kurzübersicht einer Tool-Liste erstellen, die uns den Einstieg erleichtert. Zudem wollen wir uns vernetzen und Best-Practice-Beispiele austauschen, etwa über das Ö21-Forum oder durch Blogbeiträge und LinkedIn-Posts. Ein weiterer Schritt ist die Digitalisierung unserer Daten, um die Grundlage für den KI-Einsatz zu schaffen. Schließlich ist es uns wichtig, klare Prozessabläufe zu definieren, die den Einsatz von KI strukturieren und für alle transparent machen.
Haltung entwickeln – unser Workshop zu KI und Ethik
Ein weiterer Workshop widmete sich den ethischen Fragen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Die gemeinsame abgestimmte Aussage, auf die sich die Teilnehmenden verständigten, lautete: „Die Entwicklung und die Nutzung der KI brauchen in jeder Hinsicht Maß und Transparenz.“
Maßvoller Einsatz bedeutet, bewusste Entscheidungen zu treffen, für welche Anfragen es sich lohnt KI zu nutzen und wann es sinnvoller ist, Aufgaben selbst oder mit anderen, weniger ressourcenintensiven Mitteln zu erledigen. Denn KI-Anwendungen verbrauchen große Mengen an Energie, sowohl in Form von Strom als auch von Wasser zur Kühlung der Rechenzentren. Nachhaltigkeit in der Nutzung beginnt also mit der Frage: Ist der Einsatz einer KI in diesem Fall wirklich notwendig und sinnvoll?
Ein weiterer zentraler Gedanke des Workshops griff die Aussage von Prof. Dr. Wolfgang Palaver aus seinem Vortrag vom Vortag auf: „Technik ist nicht neutral.“ Am Beispiel eines Hammers, der sowohl nützlich als auch gefährlich sein kann, wurde diskutiert, dass auch KI immer im Kontext ihrer Entstehung und Nutzung betrachtet werden muss. Dabei stellten sich Fragen wie:
- Wer hat das Werkzeug (hergestellt)?
- Wie hat er das Werkzeug hergestellt?
- Wie komme ich an das Werkzeug?
- Wer besitzt es (Eigentümer)?
- Mit welcher Intention wird es genutzt?
- Ist KI (wie) eine Waffe?
Weitere Erkenntnisse aus dem Workshop beziehen sich auf Regeln, die laut Teilnehmer:innen sowohl „von innen“ als auch „von außen“ kommen müssen. Einerseits braucht es klare gesetzliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, andererseits einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang jedes Einzelnen mit der Technologie.
Im Workshop wurde auch kritisch reflektiert, dass der zunehmende Einsatz von KI dazu führen kann, dass Menschen bestimmte Fähigkeiten verlernen, weil sie sich zu sehr auf KI-Tools verlassen. Doch ist KI tatsächlich objektiv? Und wie lässt sich Vertrauen in eine Technologie begründen, deren Funktionsweise oft einer „Blackbox“ gleicht?
Am Ende stand die Erkenntnis: KI kann ein wertvolles Werkzeug sein, wenn wir verstehen, wie sie funktioniert, ihre Grenzen kennen und sie maßvoll einsetzen. Transparenz über Herkunft, Funktionsweise und Energieverbrauch sind dabei ebenso wichtig wie die Frage nach Sinn und Ziel des Einsatzes: Wann ist der Energieaufwand wirklich zielführend und sinnstiftend und wann nicht?
Fazit: Dimensionen der KI – nachhaltig und intelligent?
Antworten auf unsere Tagungsfrage wird es erst geben, wenn diese weitere digital-technische Revolution einmal durch alle Lebensbereiche durch ist.
Was wir nicht unterlassen sollten: vorbereitet sein und erkennen zu können, was ist nützlich, was unsicher, was bringt unsere Arbeit weiter (als Beraterinnen und Berater, in der nachhaltigen Geldanlage), was ist ökologisch schädlich und gesellschaftlich gefährlich.
Konrad Zuse (1910–1995) „Die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, ist nicht so groß wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer. “
PS: hier noch die Auflösung: die Zusammenfassung der beiden Workshops wurde von zwei unterschiedlichen Chatbots textlich überarbeitet.
Autor: Marcus Brenken und natürlich teilweise die KI